„Für mich ist das Schönste an dem Traum von einem eigenen Café, anderen Menschen etwas Gutes zu tun, ihnen schöne, liebevolle Momente zu bereiten und sie glücklich zu machen. Und genauso schön ist es, sie mit meinem positiven Blick auf das Leben zu inspirieren und ihnen immer wieder zeigen zu können, wie man Lebensfreude und Zufriedenheit im Alltag entdecken kann.“

Vor zwei Jahren habe ich diese Worte formuliert, die auch noch heute absolute Gültigkeit haben.

Am vergangenen Feiertag habe ich eine meiner allergrößten Lebensentscheidungen getroffen. Ich für mich allein, ohne einzigen Rat anderer. Es war ein Moment der Ruhe am Donnerstag Morgen, kurz nach dem Frühstück. Viele verschiedene extreme und wesentliche Denkanstöße waren an den Tagen zuvor auf mich eingeprallt. Sie waren vielleicht der Auslöser, um zu diesem klaren und plötzlichen Wendepunkt zu kommen.

Dass ich solche Entscheidungen für mich im Stillen treffe, liegt daran, dass nur ich allein für meinen Lebensweg verantwortlich bin und nur ich weiss, was ich mir wünsche und was ich brauche, um glücklich zu sein.
Jeder Mensch hat seine eigene Wirklichkeit, mit welcher er oder sie auf das Leben blickt. Es gibt so viele verschiedene Wege und Herangehensweisen. Es gibt kein allgemeingültiges Richtig oder Falsch. Jede*r hat eine persönliche Meinung und einen persönlichen Glauben, wie etwas richtig ist oder was einem persönlich wichtig ist. Sich selbst treu zu sein, ist das Wichtigste, um zufrieden zu sein….das gilt jedenfalls für mich.

Ich erzähle Euch etwas von dem Hintergrund der Entscheidung, den Cafébetrieb einzustellen.
Nicht um zu der gegenwärtigen Situation Stellung zu beziehen und das „Warum“ zu erklären, schließlich geht es um meinen Weg. Vielmehr ist es vielleicht eine Form der Inspiration für Euch. Ein kleines Beispiel, wie ich so große, auch emotionale Lebensentscheidungen voller Entschlossenheit und Klarheit treffe. Auch wenn sie ein großes Wagnis mit sich bringen könnten. Das Café war in den letzten drei Jahren mein gesamtes Leben.

Was wäre, wenn ich mich falsch entscheide? ……

Ich blicke auf das Heute und zugleich auf den Weg der letzten drei Jahre.
Ich bin glücklich und fühle mich in meinem Laden unheimlich wohl. Manchmal bin ich überrascht und erstaunt, wie sich mein ursprünglicher Traum entwickelt hat.
Ja! Ich würde immer wieder den Weg genau so gehen, wie ich ihn gegangen bin.
Denn nur auf diese Weise ist der Laden zu diesem Ort mit dieser Kultur geworden, so wie Ihr ihn heute erlebt. Auch aufgrund der Öffnungszeiten. Auch aufgrund der Preise.
Meine Herangehensweise war, mir im Kleinsten etwas aufzubauen, um auf die für mich beste Weise in meine Rollen hineinzuwachsen. Ich musste lernen, was Selbstständigkeit bedeutet, ich hatte nie zuvor in der Gastronomie oder Vergleichbares gearbeitet (nur drei Wochen lang in einer spanischen Bar). Ich hatte keine Ahnung von den Abläufen, worauf es im Tagesbetrieb ankommt, ob mir das alles gelingen würde. Kochen und Backen konnte ich eigentlich auch nicht wirklich, obwohl mir mein Essen eigentlich schmeckte…
Auf diese Art ist etwas Einmaliges entstanden.
Im Kleinen zu wachsen hat mir zudem die Chance geschenkt, mich und meine Werte zu entdecken, meine Potenziale zu entfalten oder meine Gäste mit ihren Vorlieben kennenzulernen, egal wie selten oder häufig sie zu uns kommen. Der oder die Eine trinkt den Cappuccino eben lieber mit heißer „verbrannter“( 🙂 ) Milch, der Eine die heiße Schokolade ohne Zimt oder die Andere die Schoko mit weniger Milch und mehr Wasser. Ein anderer Gast mag auf seinen Tomaten nur Pfeffer, aber kein Salz, … (manchmal bin ich selbst erstaunt…es hat jedoch eine sehr hohe Wichtigkeit, denn ich möchte meine Gäste mit ihrem ‚wahren Wesen‘ wahrnehmen.)
Anhand der vielen beeindruckenden Presseberichte und den 5*-Bewertungen, die alle auf freiwillige Weise von unseren Gästen kamen, erkenne ich, wie viel sehr positive Resonanz wir für das, was wir tun und wie wir es tun, erhalten.
Ich wusste vor drei Jahren nicht, ob ich mit dieser Art von Konzept und meiner Maria-Art Erfolg haben würde. Es war ein grosses Risiko. Ein Risiko, persönlich zu scheitern. Ein Risiko, finanziell zu scheitern.

Ich merke, dass jetzt die schönste Zeit im Café gekommen ist. Es hat sich etabliert. Einen Namen aufgebaut. Ich bin dem Ganzen gewachsen. Es sind keine Herausforderungen mehr.

Und nun beende ich es?!

Es ist Zeit gekommen, um zu wachsen, aus betriebswirtschaftlicher wie auch persönlicher Sicht. Der Samen, den ich einst gesät habe, ist zu einer blühenden Pflanze herangewachsen, die nun umgetopft werden sollte, damit sie eines Tages viele Früchte tragen kann. Denn in diesem Gegenwärtigen Topf wird sie nicht wachsen können. Das gilt für den Laden ebenso für mich.
Seit dem letzten Sommer war es die allergrößte Herausforderung, mir immer wieder die Frage zu stellen, wie ich mit dem Café wachsen möchte.
Es war ein Hin und Her in meiner Gedankenwelt. Schliesslich geht es nicht um das Café allein. Davon ist auch mein privates Leben abhängig. Insofern galt diese Frage meinem gesamten Lebenskonzept und meinem Lebensweg.
Ich war dazu angehalten, mich mal wieder mit den unterschiedlichen Bereichen meines Lebens auseinanderzusetzen. Ich musste die wirtschaftlichen Ziele des Cafés mit meinen persönlichen Wünschen und Zielen und auch meiner Ideologie vereinen.
Mit Blick aus der Makroperspektive konnte ich schauen, was ich für welches Ziel tun muss, welche Entscheidung ich treffen sollte, um sie in Summe alle Ziele anpeilen und erfüllen zu können.

Warum ich diese gegenwärtige Entscheidung so getroffen habe, wie ich sie getroffen habe…

Würde ich nur auf das Strategische & Wirtschaftliche blicken, sollten wir uns genau jetzt einen größeren Laden suchen, um aus der Coffeethek und dem Café etwas Großes zu machen. Um z. B. andere Öffnungszeiten zu haben, die uns dieser Standort nicht ermöglicht hat.
Ein größerer Laden steht für mich außer Frage. Ich bin keine Gastronomin. Ich möchte nicht mit der Gastronomie und dem Einzelhandel wachsen. Das Zelebrieren der Kaffeekultur oder meine kleinen Speisen und meine bunten Frühstücksteller waren nur mein Werkzeug, um meine Gäste mit ihren Sinnen in das Hier und Jetzt zu holen und um vor allem die Lebensfreude erlebbar zu machen. 

Ich wollte an diesem Ort meine Philosophie von einem schönen Leben vorleben. Ich wollte inspirieren und anregen.
Für mich wäre es eine zu grosse Herausforderung, die Café de María-Kultur mit ihrer Philosophie auf einen anderen, grösseren Laden zu übertragen. Ich weiss nicht, ob es mir überhaupt gelingen würde. Ich müsste soooo sehr dafür brennen und ganz viel Herzblut investieren, um etwas Vergleichbares aufzubauen. Bei dem Gedanken leuchten meine Augen nicht. Bei dem Szenario blicke ich nämlich auf meine persönlichen Wünsche. Ich erkenne viele potenzielle Konflikte, dass beides zusammen nicht möglich sein wird. Könnte ich das, was mich im Tiefsten antreibt und motiviert, an einem grösseren Ort, an dem ich stündlich viel mehr umsetzen müsste und damit auch ganz andere Ziele hätte, überhaupt noch erfüllen? Vermutlich nein. Ich möchte die nächsten Schlussfolgerungen gar nicht ausführen.
Eins weiss ich…. Das Café würde dann nicht mehr das Café de María sein.
In meinem jetzigen Laden kann ich dieses schöne Leben nur vorleben, weil ich glücklich bin. Ich kann meinen Gästen nur diese Wertschätzung und Respekt entgegenbringen, weil ich zufrieden bin. Zufrieden, weil ich mich und meine Bedürfnisse kenne und erfülle.
Meine Motive waren von Beginn an, zu inspirieren, Mut zu machen, Denkanstösse mitzugeben, das schöne Lebensgefühl im Hier und Jetzt erlebbar zu machen, ein positives und weltoffenes Miteinander zu schaffen, ….
Viele Motive, die ich auch auf andere Weisen in meinem Tun ausdrücken kann, auch durch meine Workshops, Vorträge oder meinen Blogbeiträgen. Ich will auf jeden Fall ein Buch schreiben. Ich möchte meine Mitmenschen erreichen. Damit ist klar, warum ich mich für keinen neuen Standort entschieden habe. Meine Motive und Bedürfnisse hätte ich dort kaum erfüllen können.

Ursprünglich war der Gedanke, meinen Laden als Herzensprojekt mit Cathie fortzuführen und parallel meine zweite Existenz aufzubauen.
Durch all die Denkanstösse der letzten Woche und nochmals viele positive Worte anderer spüre und erkenne ich mehr als deutlich, dass mein Laden seinen Höhepunkt erreicht hat. Ich habe all meine Ziele verwirklicht und ich bekomme dafür die beeindruckendste und positivste Resonanz.
Wie viel schöner könnte es jetzt noch werden? Kann es überhaupt schöner werden? Oder würden im nächsten Abschnitt des Cafés eher Risiken und Hürden auftreten, die langfristig einen Schatten auf die Freude am Café werfen könnten?
Für mich ist eins wesentlich:
Ich möchte bis zu meinem Lebensende mit einem Leuchten in den Augen von der wunderschönsten Café-Zeit erzählen ohne ein „Aber“ hinzufügen zu müssen.
Wie auch eine blühende Blume eines Tages verblüht, ist auch alles Andere vergänglich.
Genau aus diesem Grund habe ich ganz bewusst entschlossen, an dieser Stelle aufzuhören.
Die Geschichte des Cafés wird mich ein Leben lang mit Freude erfüllen. Sie ist wie eine Perle, die mich auf meinem weiteren Weg begleiten wird. So wie es jetzt ist, ist es wunderschön. Ich habe mein Ziel, an diesem Ort eine schöne Welt zu schaffen, erfüllt. Dieses warme Gefühl des Miteinanders und der Wertschätzung erleben Cathie und ich hier alltäglich. Genau aus diesem Grund ist die Zeit gekommen, diese Geschichte zu beenden, damit sie immer in allerallerschönster Erinnerung bleibt.

Ich habe viele Ideen, was alles aus meinem Laden entstehen könnte. Zu späterer Zeit. Ein Ort der Möglichkeiten, an dem andere ihre Träume und Vorhaben verwirklichen und entdecken können. Damit auch sie im Kleinen beginnen und etwas Grösseres daraus aufbauen können. Ich weiss, wie viel Mut es kostet, sich auf den Weg zu begeben. In einem kleinen Rahmen zu beginnen, gibt einem Sicherheit. Wenn sich der oder die Eine angesprochen fühlt, dürft Ihr Euch gern melden, egal wann… 🙂
Doch erst einmal schliesse ich die Türen.

Es waren drei sehr intensive und prägende Jahre für mich. Ich nehme mir die Zeit, um diese Zeit Revue passieren zu lassen, um zu reflektieren und um von diesem Kapitel Abschied zu nehmen. Denn bei aller Klarheit und Entschlossenheit sind diese letzten Tage eine grosse vor allem emotionale Herausforderung für mich. Vielleicht eine der Grössten seit der Gründung.
Ich werde versuchen, möglichst viel schriftlich festzuhalten, um den einen oder anderen Gedanken mit Euch zu teilen.

Alles Liebe,
Eure Maria